#bayernkreativPORTRAIT: Für Ramona Pauli ist Glas mehr als nur ein Material. Die Glasmalerin und Produktdesignerin erschafft daraus ausdrucksstarke Haushaltsprodukte, Einrichtungsgegenstände und Skulpturen. Für das einjährige Gründungsprogramm KREATIV Garage des OM7 wird Ramona regelmäßig von Zwiesel im Bayerischen Wald nach Nürnberg reisen. In unserem Interview teilt sie ihre Beweggründe und ihre Motivation, am Programm teilzunehmen. Außerdem spricht sie über ihre Verbundenheit mit der Glasmalerei und ihren Wohn- und Arbeitsort „Zwiesel“ im Bayerischen Wald, wo sie 2023 die Gründerwerkstatt Glas Zwiesel gründete. Natürlich darf auch ein Blick in die Zukunft nicht fehlen … Jetzt nachlesen:

Die Faszination Glas entsteht durch seine Durchsichtigkeit und seinen Glanz, wo das Licht den entscheidenden Faktor spielt. In der Glasmalerei wird also gemalt mit Licht und Farbe.  

Ramona Pauli

Ramona Pauli

Bildnachweis: Henriette Olbertz-Weinfurter / GWGZ

Liebe Ramona, du bist Glasmalerin und Produktdesignerin und hast dich auf die Herstellung von Haushaltsprodukten, Einrichtungsgegenständen und Skulpturen aus Glas spezialisiert. Was hat dich dazu bewegt, dich so intensiv mit dem Thema Glas auseinanderzusetzen?

Als Kind habe ich schon immer viel gemalt. Die Farben sind es, die mich in den Bann gezogen haben. Dann entdeckte ich die Malerei auf Glas. Die Faszination Glas entsteht durch seine Durchsichtigkeit und seinen Glanz, wo das Licht den entscheidenden Faktor spielt. In der Glasmalerei wird also gemalt mit Licht und Farbe. Dabei werden Farben erzeugt, dessen unglaubliche Tiefe und Intensität kein anderes Material als Glas nachkommt. So bleibt das Glas in mir immer verwurzelt.

Dein Unternehmen „bei Pauli – Glashandwerk und Design“ befindet sich in der „Glasstadt“ Zwiesel im Bayerischen Wald. Dort gibt es zahlreiche Glasherstellungs- und Glasveredelungsbetriebe. Was macht der Standort für dich aus?

Die Glasstadt Zwiesel im Bayerischen Wald als Standort gibt mir sehr viel. Die ursprüngliche Natur, die Menschen und die Stadt mit der jahrhundertealten Glastradition sind mir ans Herz gewachsen. Mit dem vorhandenen technischen Wissen und der großen Unterstützung der vielen Glasschaffenden aus der Region habe ich die Chance an das Erbe anzuknüpfen, meine Ideen und Visionen zu verwirklichen und einen Beitrag zur Erhaltung des alten Handwerks zu leisten. Mein Unternehmen ist in der Gründerwerkstatt Glas Zwiesel untergebracht. Die Werkstatt bietet mir eine voll ausgestattete Betriebstätte und einen gemeinsamen marketingtechnischen Auftritt, mit der gemeinschaftlichen Unterstützung zwischen den Gründerinnen und Gründern der Gründerwerkstatt.

Du bietest für Interessierte auch Workshops an – erzähl doch mal, wie läuft das ab?

Mit meinen Workshopangeboten ist es mir ein persönliches Anliegen, das Bewusstsein für die Glaskultur zu stärken und den Teilnehmenden die Freude an eigene handgefertigten Glasprodukten näherzubringen. Ein Beispiel kann das super veranschaulichen: Im Glas-Workshop „Wanduhren selbst gestalten“ haben Kinder die Möglichkeit, ihre kreative Ader auszuleben, während sie gleichzeitig das traditionelle Kunsthandwerk der Glasmalerei erkunden können. In Form von anschaulichen Demonstrationen und einem strukturierten Kursaufbau wird Schritt für Schritt gezeigt, wie man sein eigenes Ziffernblatt gestaltet und welche wichtigen handwerklichen Aspekte man dabei beachten muss. Dekorativ und praktisch zugleich erhält in Form einer selbst gemachten Wanduhr die Glasmalerei ein neues und ungewöhnliches Image. Stolz können die jungen Künstlerinnen und Künstler ihre Uhr mit nach Hause nehmen.

Welches Produkt war für dich bisher die größte Herausforderung?

Die Fertigstellung von Leuchtobjekten stellt mich vor die größten Herausforderungen. Vom Entwurf bis hin zum fertigen Produkt sind zahlreiche komplexe Schritte zu beachten. Dazu gehören Materialkunde, die Zusammenarbeit mit Lichttechniker und Schlosser sowie die Entwicklung eines ausgeklügeltes, kostengünstiges und dennoch ästhetischem Designs, verbunden mit effizientem Zeitmanagement. Produktentwicklung und kontinuierliche Verbesserung sind entscheidend für den Erfolg, auch wenn dafür einige Muster und Fehlversuche vorangehen. Diese lohnenswerten Herausforderungen reizen mich besonders. Das Resultat bestärkt mich immer wieder in meinem Weg zur Selbstständigkeit.

Du bist eine Teilnehmerin des Gründungsprogramms „KREATIV Garage“ des OM7. Was war deine Motivation, an diesem Trainingsprogramm teilzunehmen?

Das Gründungsprogramm OM7 bietet mir die Gelegenheit, mich mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern auszutauschen und wertvolle Kenntnisse zu erlangen. Das ist genau das, was ich als junge Unternehmerin brauche, um meinen Weg zu gehen. Die Impulse und die Erfahrungen aus verschiedenen Branchen, die die anderen Teilnehmenden mitbringen, sind äußerst inspirierend für die Entwicklung meines Unternehmens. Das frische und unvoreingenommene Netzwerken unter Gleichgesinnten tut sehr gut und ist die Motivation, die mich aus dem Bayerischen Wald in das Gründungsprogramm nach Nürnberg zieht.

Das einjährige Gründungsprogramm begleitet dich die nächsten Monate mit Workshops, Seminaren und Netzwerktreffen. Was denkst du, von welchen Inhalten wirst du am meisten profitieren?

Von Inhalten, wie Vertrieb, Marketing/Kommunikation und Pitchen/Präsentieren wird mein Unternehmen bei Pauli profitieren. Diese sind in meiner ungewöhnlichen Branche besonders relevant, da eine hohe öffentliche Präsenz erforderlich ist, um die gewünschte Zielgruppe zu erreichen und zu überzeugen. Es geht darum, die richtige Strategie zu entwickeln, um mein Geschäft gemäß meinen Vorstellungen voranzubringen. Das intensive Engagement mit diesem Themen im Rahmen des Gründungsprogramms ermöglicht es mir, mir die Zeit zu nehmen, um diese Inhalte gründlich zu erarbeiten. Die bereitgestellten Tools werden mir dabei helfen, sie in meinem Selbständigen-Alltag effektiv einzusetzen.

Was sind deine Zukunftsziele für deine Glasbläserei? Was wünschst du dir für deine Kunst?

Mein Ziel ist es, dass die Marke „bei Pauli“ in Form von praktischen und dekorativen Haushaltsgegenständen präsent ist, die das Zuhause aufwerten und Freude beim Gebrauch bereiten. In meiner Vision habe ich eine kleine Firma aufgebaut, in der meine persönliche künstlerische Entfaltung in erfolgreichen Alltagsprodukten wie Leuchtobjekten, Butterdosen und Pfeffermühlen zum Ausdruck kommt. Diese erfolgreiche Umsetzung im Alltag soll es mir ermöglichen, mich auch in größeren Kunstwerken zu verwirklichen. Für mich ist öffentliche Kunst mehr als nur ein Geschäftsmodell; es ist eine Philosophie, die Architektur und Kunst verbindet, eine einladende Atmosphäre schafft und ein einzigartiges Raumgefühl kreiert, das für jede und jeden zugänglich und erlebbar ist.

Die bayerische Kultur- und Kreativwirtschaft ist vital, kooperativ, vielstimmig und zukunftsrelevant. Wir stellen dir bayerische Akteurinnen und Akteure vor. Wie gestaltet sich deren Geschäftsmodell? Was treibt sie an?

Du möchtest uns auch gerne ein paar Fragen beantworten und Teil unserer Kampagne „bayernkreativPORTRAIT“ sein? Dann schreibe uns gerne eine E-Mail an kontakt@bayern-kreativ.de mit dem Stichwort „bayernkreativPORTRAIT“.