Das internationale „Bayreuth Baroque Opera Festival“ zieht jedes Jahr Kulturbegeisterte in das Markgräfliche Opernhaus nach Bayreuth. Das im 18. Jahrhundert erbaute Opernhaus wurde 2012 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen und ist bekannt für seine opulente Innenausstattung sowie seine exzellente Akustik. Doch hinter den Kulissen arbeitet das Team von „Bayreuth Baroque“ auch an einem anderen Highlight: Der Nachhaltigkeit. 2023/2024 nahm das Festivalteam am Corporate Sustainability Navigator-Assessment der Bayern Innovativ GmbH teil, um einen klaren Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft zu finden. Dr. Clemens Lukas, Geschäftsführer von „Bayreuth Baroque“, teilt Einblicke aus dem Assessment und seine Vision für mehr Nachhaltigkeit:

Unsere Motivation das Assessment zu absolvieren lag darin, zu erfahren, wo wir stehen und welche Schritte wir unternehmen könnten, um nachhaltiger zu werden.

Dr. Clemens Lukas
Als „Bayreuth Baroque“ organisiert ihr die Barockfestspiele, die jedes Jahr im September im Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth stattfinden, vereinzelt auch an anderen Orten. Kürzlich habt ihr das Corporate Sustainability Navigator-Assessment der Bayern Innovativ GmbH absolviert. Was war eure Motivation, das Assessment zu absolvieren? Hattet ihr konkrete Fragen, als ihr das Assessment begonnen habt?

Unsere Motivation das Assessment zu absolvieren lag darin, zu erfahren, wo wir stehen und welche Schritte wir unternehmen könnten, um nachhaltiger zu werden. Als wir das Assessment begannen, hatten wir keine konkreten Fragen im Sinn, sondern wollten einfach einen Überblick über unsere Situation und mögliche Handlungsfelder erhalten.

Gab es während der Absolvierung des Assessments einen Aha-Moment? Seid ihr auf etwas gestoßen, mit dem ihr gar nicht gerechnet habt?

Während des Assessments gab es definitiv einen Aha-Moment für uns. Wir waren überrascht von der Vielzahl der Kriterien abseits von CO2, die eine Rolle spielen können. Dies hat uns dazu gebracht, Nachhaltigkeit noch breiter zu denken und verschiedene Aspekte in unsere Überlegungen einzubeziehen, auf die wir vorher vielleicht nicht so stark geachtet hatten.

Habt ihr aufgrund der Erkenntnisse im Assessment vielleicht schon erste Ideen umgesetzt?

Die Erkenntnisse aus dem Assessment haben uns bereits dazu inspiriert, einige Ideen umzusetzen. Wir hatten bereits Maßnahmen in Arbeit, und das Assessment hat uns weitere Möglichkeiten aufgezeigt, die wir nun ebenfalls angehen wollen.

Wart ihr überrascht, wie ihr im Vergleich zu eurer Benchmarkgruppe abgeschnitten habt?

Wir waren nicht wirklich überrascht, wie wir im Vergleich zu unserer Benchmarkgruppe abgeschnitten haben, da die Anzahl der vergleichbaren Gruppen noch recht überschaubar war. Dennoch hat uns der Vergleich dazu angeregt, uns weiter zu verbessern und unsere Bemühungen um Nachhaltigkeit zu intensivieren.

Als Kulturinstitution habt ihr mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen und gerade mit einem denkmalgeschützten Opernhaus dürfte es schwierig(er) sein, „nachhaltige“ Maßnahmen umzusetzen. Was könnt ihr anderen Kulturinstitutionen in Bezug auf Nachhaltigkeit empfehlen? 

Als Kulturinstitution mit einem denkmalgeschützten Opernhaus, stehen wir in der Tat vor besonderen Herausforderungen, wenn es darum geht, nachhaltige Maßnahmen umzusetzen. Kultureinrichtungen, insbesondere die privatwirtschaftlich getragenen, sind es aber ohnehin gewohnt, dort, wo es geht, zu sparen. Insofern empfehlen wir da weiterzumachen: Beispielsweise durch die Vermeidung von unnötigen Wegen, die Förderung einer papierlosen Arbeitsweise, das Berücksichtigen von weichen Faktoren und den Einsatz energieeffizienter Technologien wie LED-Bühnenlichttechnik.

Wie integriert ihr Nachhaltigkeit in eure künstlerischen und kreativen Prozesse?

In unsere künstlerischen und kreativen Prozesse integrieren wir Nachhaltigkeit auf verschiedene Weise. Wir setzen beispielsweise Ensembles mehrmals hintereinander ein, um Transportwege zu minimieren, führen Proben zentral und ohne Unterbrechung durch, verwenden schlanke Bühnenbilder mit viel Effekt, nutzen vermehrt Online-Meetings und Sammeltransporte und belohnen die Nutzung von Bahnfahrten. Diese Maßnahmen helfen uns nicht nur, nachhaltiger zu handeln, sondern können auch künstlerische Prozesse effizienter gestalten und Kosten sparen.

| Die Assessment-Tools werden durch die IMP³ROVE – European Innovation Management Academy lizenziert. Die Assessments finden im Rahmen des Projekts „Enterprise Europe Network“ statt, an dem die Bayern Innovativ GmbH als Partner beteiligt ist. Das Team des Enterprise Europe Network der Bayern Innovativ unterstützt bayerische KMU und Start-ups bei ihrer internationalen Ausrichtung, um neue technologische Entwicklungen voranzutreiben, Kooperationspartner zu finden und mittels erfolgreichem Innovationsmanagements für die Zukunft gerüstet zu sein. Charlotte Stegmayer und Florian Heilmayr vom bayernkreativTEAM sind ebenfalls zertifiziert, Corporate Sustainability Navigator- Assessments durchzuführen.